Wiesbaden, 11. April 2007. Rund 80 Prozent aller privaten Abwasserleitungen sind beschädigt. Deshalb ist inzwischen gesetzlich vorgeschrieben, dass Hauseigentümer ihre Leitungen auf undichte Stellen hin überprüfen lassen müssen - was viele aber nicht wissen. Dieses Unwissen nutzen jetzt unseriöse Geschäftemacher aus, warnt das Infocenter der
R+V Versicherung: Sie bieten zuerst eine besonders günstige Überprüfung an, drängen aber dann auf eine kostspielige Sanierung.
Der Ablauf ist immer ähnlich: Die Unternehmen machen die Hauseigentümer mit einem Anruf oder einem Werbeprospekt darauf aufmerksam, dass sie ihre Abwasserleitungen sofort überprüfen lassen müssen - und behaupten, es drohen saftige Geldstrafen. Die hierfür übliche Videoüberprüfung wird besonders günstig angeboten. "Der Trick der Unternehmen ist einfach, aber wirkungsvoll: Sie zeigen den Kunden nicht die Videoaufzeichnungen aus dem eigenen Kanal, sondern völlig marode andere Leitungen - und drängen die Hausbesitzer massiv, einen Sanierungsvertrag zu unterzeichnen", sagt Diplom-Ingenieur Jochen Löhmann, Bau-Experte beim
R+V-Infocenter. Für die eigentlich unnötige Sanierung fordern die Unternehmen völlig überhöhte Preise und liefern schlechte Qualität. Und: Prüfprotokoll und Zertifikat werden von den Kommunen oft nicht anerkannt.
Informieren und mit Nachbarn abstimmen
Das
R+V-Infocenter rät Verbrauchern deshalb, sich im Vorfeld ausführlich zu informieren, zum Beispiel beim Tiefbauamt oder den Kommunen. Dort erfahren sie auch, bis wann sie die so genannte Dichtigkeitsprüfung nachweisen müssen. "Die meisten privaten Hauseigentümer haben bis zum Jahr 2015 Zeit, um ihre Leitungen kontrollieren zu lassen - außer das Haus steht in einem Wasserschutzgebiet", erklärt
R+V-Experte Löhmann.
Die Kommunen wissen auch, wie teuer die Überprüfung der Leitungen ist, und mit welchen Kosten Hausbesitzer in etwa für die Sanierung rechnen müssen. "In der Regel haben die Abwasserleitungen nur kleine undichte Stellen, die schnell und ohne aufgebuddelten Garten zu beheben sind", so Löhmann.
Weitere Tipps des Experten: Um Kosten zu sparen, kann man sich entweder mit den Nachbarn zusammen tun oder sich bei der Kommune über geplante Kontroll- und Sanierungsmaßnahmen in der eigenen Straße informieren. Ist dies der Fall, kann man mit der Kommune eine Kostenteilung vereinbaren. Außerdem übernimmt sie die Abwicklung.
zum Seitenanfang