Wiesbaden, 1. Juli 2004. Viele Arbeitnehmer in großen Unternehmen nutzen das vorteilhafte Angebot einer Betriebsrente. Doch in Firmen bis zu 500 Angestellten ist dies weit weniger verbreitet, zeigt eine aktuelle Studie der
R+V Versicherung über die betriebliche Altersversorgung im Mittelstand. "Jeder Arbeitnehmer hat heute ein gesetzlich verbrieftes Recht auf betriebliche Altersversorgung - egal ob er in börsennotierten Großunternehmen arbeitet oder als Fachverkäuferin beim Bäcker um die Ecke", betonte Frank-Henning Florian, Vorstand der
R+V Lebensversicherung
AG. "Unsere Umfragen haben ergeben: Dreiviertel der Angestellten und über die Hälfte der Chefs in kleineren Betrieben kennen dieses Recht überhaupt nicht."
R+V hatte im Juni repräsentativ 425 Arbeitnehmer in kleinen und mittleren Betrieben befragt und qualitative Interviews mit 101 mittelständischen Unternehmern geführt. Die Ergebnisse der Mittelstandsstudie stellte die
R+V Versicherung am 1. Juli in Frankfurt vor.
Altersvorsorge ist wichtig - aber die Mehrzahl fühlt sich schlecht informiert
Drei von vier Arbeitnehmern in mittelständischen Betrieben sagen, dass für sie eine zusätzliche Altersvorsorge neben der gesetzlichen Rente wichtig oder sehr wichtig ist. Gleichzeitig sind viele bei dem komplizierten Thema überfordert: 54 Prozent fühlen sich bei der betrieblichen Altersversorgung unzureichend bis sehr schlecht informiert. Bei genauem Nachfragen bestätigte sich diese Selbsteinschätzung. Lediglich jeder Zweite weiß von den steuerlichen Vorteilen, die eine Betriebsrente bietet und nur jeder Vierte kennt die Möglichkeit, damit auch Sozialabgaben zu sparen.
Mittelständische Arbeitnehmer nutzen Betriebsrenten zu wenig
Grundsätzlich gilt die Devise: Je kleiner der Betrieb, desto weniger Arbeitnehmer haben Zugang zur betrieblichen Altersvorsorge. So tun sich bei den mittelständischen Angestellten große Lücken auf: Erst 39 Prozent der Befragten investieren jetzt schon in eine Betriebsrente. Mit 36 Prozent fast genauso groß ist die Gruppe der Arbeitnehmer, deren Chef gar keine Betriebsrente anbietet. Und ein Viertel der Befragten könnte zwar einsteigen, tut es aber nicht.
Wer bisher ohne Vertrag ist, beschäftigt sich oft dennoch mit dem Thema: Immerhin plant fast jeder Dritte, in den nächsten drei Jahren einen Vertrag abzuschließen - in private, in betriebliche oder sogar in beide Formen der Altersvorsorge. Ebenso viele denken darüber nach, sind jedoch noch unentschlossen. Doch 44 Prozent derjenigen, die bisher noch keine Betriebsrente haben, wollen dies auch in den kommenden drei Jahren nicht ändern.
Vor allem Frauen und junge Leute verzichten noch auf eigene Vorsorge
"Bei denen, die bisher nicht in die Betriebsrente investierten, lohnt es sich, genauer hinzuschauen", erklärte Florian. Dabei werden Tendenzen erkennbar: Beispielsweise ist der Anteil der Frauen hier größer als bei den Männern. "Obwohl sie selbst berufstätig sind, scheinen sich viele Frauen bei ihrer Rente immer noch auf die Männer oder auf die Hilfe des Staates zu verlassen", vermutete der R+V-Vorstand.
Weit weg und vorläufig wenig interessant scheint die Rentenfrage für die jüngeren Arbeitnehmer: Die unter Dreißigjährigen sind überdurchschnittlich noch ohne Betriebsrente - in den darüber liegenden Altersgruppen steigt der Anteil derjenigen, die in Verträge einzahlen, rapide an. Dabei, so Florian, wäre es gerade sinnvoll, möglichst früh einen Vertrag abzuschließen - so lässt sich der monatliche Beitrag gering halten: "Hier gibt es noch viel Beratungsbedarf."
Familien mit Kindern und geringem Einkommen sparen an der Altersvorsorge
Wer ohnehin wenig Geld zum Leben hat, kann kaum vorsorgen. Die Mehrheit der Familien mit zwei und mehr Kindern und der Haushalte mit weniger als 1.500 Euro Einkommen im Monat sehen keine Möglichkeit, für das Alter noch etwas beiseite zu legen. Zudem gibt es ein Bildungsgefälle: Je geringer der Schulabschluss, desto weniger Befragte sorgen vor.
Umfrage betraf konkret den Mittelstand
Die repräsentative Studie ließ R+V im Juni 2004 durchführen. Unter den insgesamt 2006 Befragten waren 44,9 Prozent Angestellte, Arbeiter und in der Landwirtschaft Beschäftigte. Von ihnen arbeiten 425, das entspricht 50,2 Prozent, in Betrieben mit weniger als 500 Mitarbeitern. Zeitgleich wurden 101 mittelständische Unternehmen in längeren Interviews befragt - dies erlaubt eine Trendaussage.
zum Seitenanfang